Gargonza Arts

Ein Projekt von INTERARTES

Jahrgang 2020

Die fünf Preisträger*innen des Gargonza Arts Award 2020

 

Architektur



Lara Briz Bejerano (ES)

Hochhäuser aus Holz? Architektur aus Erde, aus Lehm? Das ist nicht rückständige Öko-Romantik. In den westlichen Industrieländern sind es noch vereinzelte „Leuchtturmprojekte", aber das Thema eines sozial und ökologisch verträglicheren Bauens angesichts der sich zunehmend verschärfenden Konflikte um die Verteilung und den Erhalt von Ressourcen findet mittlerweile weltweit unter Architekten Resonanz. „Hybride Techniken" des Bauens bieten sich an, Techniken, die mit Holz, Lehm und Recycling Material aus Alt-Beton und Bauschutt arbeiten.

Die spanischer Architektin Lara Briz hält entschieden daran fest: Architektur ist an erster Stelle für die Menschen da, und ein Architekt muss verstehen, was deren Bedarf, Wünsche und ästhetischen Vorstellungen sind. Für Lara Briz ist Architektur ein „Katalysator" für die (Wieder-)Nutzung aller jeweils vor Ort verfügbaren Werkzeuge und Techniken sowie materiellen und kulturellen Ressourcen. Sie untersuchte, „die Verwendung lokaler Baumaterialien in ganz verschiedenen Teilen der Welt und deren unterschiedliche Nutzung" und will „die tradierten Techniken und Fähigkeiten neu interpretieren und sie mit zeitgenössischen Designpraktiken verschmelzen".

Social Practice Architecture (SoPA) ist der Name des von Lara Briz und Patricia Báscones gegründeten Unternehmens, dessen Selbstverständnis und konstruktive Praxis noch einiges mehr an internationaler Aufmerksamkeit erwarten darf.

Für den Gargonza Arts Award 2020 wurde Lara Briz Bejerano von Dominique Gauzin-Müller nominiert.

 

Literatur

 

Liat Fassberg (IL)

„Im Nachtbus durchs seltsame 21. Jahrhundert" - so übertitelte am 11. Juni 2017 die Nachtkritik ihre Meldung von der Verleihung des Retzhofer Dramapreises 2017 an Liat Fassberg mit ihrem Stück „Etwas Kommt Mir Bekannt vor".

Mit dem Preis ist auch die Uraufführung des ausgelobten Stücks am Wiener Burgtheater verbunden. „Klug und sinnlich inszeniert Alia Luque das Stück von Liat Fassberg im Burg-Vestibül", urteilt Margarete Affenzeller am 1. Mai 2018 im Wiener Standard. „Jemand betritt den Raum, und sofort beginnt man zu projizieren. Man ordnet den Menschen ein, beginnt ihn auf Basis dessen, was man zu wissen und erkennen glaubt, zu interpretieren. Liat Fassberg hat darüber ein Stück geschrieben: Etwas Kommt Mir Bekannt Vor. (...) Fassberg liefert kein Stück über das Leid (illegal) Flüchtender, sondern geht viel weiter. Sie hinterfragt das in jedem von uns vorhandene ganz alltägliche Diskriminierungspotenzial in Bezug auf Geschlecht, Hautfarbe, Aussehen, sozialen Status usw. (...) Fassberg und Luque stacheln die Neugier an und das Hinterfragen von eigenen Denkmustern. Wem bin ich ähnlich? Und wer steht eigentlich gerade neben mir? Man kommt in dieser immersiven Kunst den eigenen Blickwinkeln auf die Schliche. Dank der Musik fühlt sich das manchmal an wie im Club".

Man kann davon ausgehen, dass das von InterArtes e.V. gewährte Stipendium zur Teilnahme am internationalen Künstlerprogramm Gargonza Arts, für die Autorin und Dramatikerin Liat Fassberg eine weitere zentrale Erfahrung ausmachen wird, die auch eine merkliche Spur in der Geschichte des Projekts hinterlassen wird.

Für den Gargonza Arts Award 2020 wurde Liat Fassberg von Dea Loher nominiert.

 

Bildende Kunst

 

Thimo Franke (D)

"Ich mag Kästen. Objekte, Gegenstände und Szenerien in kleinen Kästen einschließen ist etwas was ich inzwischen seit nahezu zehn Jahren tue.

Ein anderes wiederkehrendes Thema sind Pflanzen. Eine der frühesten Kisten enthielt ein Stück Erde, aus dem Pflanzen wuchsen, aber ich habe danach lange Zeit nicht mehr mit Pflanzen gearbeitet. Ich weiß nicht warum, ich mochte Pflanzen, ich mochte es, mit ihnen zu arbeiten, aber für lange Zeit fiel es mir schwer, sie sinnvoll in meine künstlerische Arbeit einzubinden.
Der Schritt zu Hütten und Häusern als eine andere Form von Kasten war letztendlich ein natürlicher. Ich baute viele Modelle, probierte verschiedene Formen aus, aber keins dieser Modelle hatte eine Tür. Die meisten hatten Fenster, aber diese waren ebenso verschlossen, ohne Möglichkeit sie zu öffnen. Meine Abschlussarbeit waren zwei Hütten, mit verschlossenen Fenstern und jeweils einem leeren Raum im Inneren, ohne Tür, ohne Möglichkeit, den Raum zu betreten. (...)"

Für den Gargonza Arts Award 2020 wurde Thimo Franke von Gregor Schneider nominiert.

 

 

Komposition



Daphné Hejebri (F)

Für die Komponistin und Multi-Instrumentalistin Daphné Hejebri ist die Auszeichnung mit dem Gargonza Arts Award, insbesondere unter dem diesjährigen Motto, ein Glücksfall. In der Begegnung und Auseinandersetzung mit anderen Künsten und Künstler*innen verschiedener Kulturen kann die Komponistin mit väterlicherseits iranischen Wurzeln eine produktive Vielfalt an Anregungen für ihre Arbeit erwarten insbesondere durch das Zusammentreffen mit einer israelischen Literatin und einem irakischen bildendenden Künstler, die ebenfalls Preisträger*innen des Gargonza Arts Award 2020 sind.

In einem „Crossover“ der Künste sucht Daphné Hejebri eine Annäherung, ja eine „Verschmelzung“ des Hörens (von Musik) und des Sehens (in der Bildenden Kunst) und damit die tendenzielle Auflösung der Grenze zwischen der Wahrnehmung von Kunst in der Zeit (in Musik und Film) und im Moment (der Anschauung eines Kunstwerks als Objekt).

Für den Gargonza Arts Award 2020 wurde Daphné Hejebri von Philippe Manoury nominiert.

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Bildende Kunst - Forced to flee Stipendium

 

@JoachemGern

Dachil Sado (IQ)

„Seit einigen Jahren untersuche ich mit meiner Kunst meine Wahrnehmung von Realität, Gesellschaft und Körper. Es geht mir darum, das Gedächtnis als mögliches Material für performative Arbeit zu hinterfragen, indem ich es als etwas entwickle, das im Gehirn selbst erhalten enthalten ist, aber auch transformiert, dekonstruiert oder weiterentwickelt werden kann.
Können Berührung, Hören, Riechen, Sehen und der Körper als Ganzes durch eine performative Transformation einer Erinnerung transformiert werden?
Mein Forschungsschwerpunkt ist die Reduktion eines Körpers, Identität, Migration und Kunstgeschichte in Bezug auf soziologische Wahrnehmung.
In meiner visuellen Arbeit (neben Performance und gesprochener Sprache) benutze ich verschiedene künstlerische Medien wie Zeichnen, Malen, Schreiben, Installationen, Objekte und Konzeptkunst.

Den Preis und das Stipendium des Gargonza Arts Projekts erhält Dachil Sado als bildender Künstler. Ausgewählt wurde er von dem Kurator Ulf Aminde für das Stipendium des „Forced-to-flee" Gargonza Arts-Stipendiums. Im Irak aufgewachsen lebt er seit 2015 in Berlin. 

In einem langen Prozess der Selbstreflexion und Selbstvergewisserung fordert er seine kreativen, künstlerischen Fähigkeiten heraus, als ein Potenzial der eigenen, selbst bestimmten, ja selbst geschaffenen Identität.

Für den Gargonza Arts Award 2020 wurde Dachil Sado von Ulf Aminde nominiert.

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